ASTRONICS

Sternsagen

Die sieben tanzenden Sterne

erzählt von den Onondaga-Indianern, einem Stamm der Irokesen

In einem Herbst vor vielen Jahren wanderte eine Gruppe Onondaga-Irokesen zu ihren Winterjagdgründen an einem großen See im Südosten Kanadas. Nur langsam kamen sie durch das wilde und rauhe Land. Schließlich erreichten sie den See, den sie den ‚herrlichen See‘ nannten, und fanden dort viel Wild und Fische. Klares Wasser floß aus den vielen Quellen in einem friedlichen Tal zwischen den Bergen.

‚Spuren im Wasser‘, der Häuptling der Gruppe, dankte dem Großen Geist für ihre sichere Ankunft und die Fülle an Wild. Jeder war zufrieden, sie wußten, es würde ihnen in diesem Tal gut gehen.

Bald endete der Herbst und es wurde kälter. Acht Kinder aus der Gruppe waren es müde, ihren Müttern und Vätern bei den täglichen Arbeiten zu helfen. Sie suchten sich einen stillen Platz am See und begannen zu tanzen. Jeden Tag trafen sie sich und tanzten viele Stunden lang. Obwohl sie hungrig waren und ganz benommen wurden, tanzten sie weiter und weiter.

Eine lange Zeit ging alles gut. Dann erschien den tanzenden Jungen und Mädchen eines Tages ein leuchtender alter Mann. Er glänzte wie Silber in der späten Herbstsonne und war vom Kopf bis zu den Füßen mit einem Umhang aus weißen Federn bedeckt. Sein weiss schimmerndes Haar war sehr lang. Er war freundlich, aber er warnte die Kinder, nicht weiter zu tanzen, oder etwas Schreckliches würde ihnen wiederfahren.

Die Kinder wollten seine Worte nicht hören und fuhren fort zu tanzen. Jeden Tag kam der ‚hell leuchtende alte Mann‘, wie sie ihn nannten, und warnte sie, aber die Kinder beachteten ihn nicht.

Eines Tages wollten die Kinder Essen mitnehmen, um länger am See bleiben zu können. Aber ihre Eltern wiesen sie ab: „Ihr müßt wie immer zu Hause essen, dann könnte ihr spielen gehen.“ Die Kinder waren entschlossen, den ganzen Tag zu tanzen. Nach einer Weile wurden sie hungrig, und ihr Hunger machte sie schwindelig. Dann begannen sie sich langsam in die Luft zu erheben. Plötzlich schrie einer der Jungen: „Seht nicht hinunter, etwas Seltsames ist geschehen. Wir scheinen in der Luft zu tanzen!“

Am Anfang waren die Kinder aufgeregt und es machte ihnen Spaß, aber bald ängstigte sie das Tanzen in der Luft. Nun konnten sie nicht mehr aufhören, oder sie wären weit hinunter auf die Erde gefallen. Der ‚hell leuchtende alte Mann‘ schaute zu ihnen hinauf. „Wenn sie nur auf mich gehört hätten.“ dachte er und schüttelte traurig seinen Kopf.

Bald merkte eine alte Frau im Dorf, dass die Kinder davonschwebten. Sie rief ihnen, zurück zu kommen, aber die Kinder tanzten schneller und schneller. Sie schauten nicht nach unten.

Schließlich versuchte die ganze Gruppe, die Kinder zurück zu rufen, aber erfolglos. Der Häuptling ‚Spuren im Wasser‘ rief laut zu seinem Sohn: „Komm zurück, komm zurück!“ Als der Junge hinunter blickte und seinen Vater sah, fiel er als Sternschnuppe zu Erde. Die anderen Kinder schwebten weiter hinauf, weit in den Himmel. Dort wurden sie zu den sieben Sternen der Plejaden. Die Onondaga nennen sie ‚Oot-kwa-tah‘.

nacherzählt nach “Bright Shining Old Man” aus “They Dance in the Sky - Native American Star Myths” von Jean Guard Monroe, Ray A. Williamson

letzte Änderung am
18.12.2007

© 2004-2007 ASTRONICS | Kontakt | Home | Top