ASTRONICS

Sternsagen

Wie der Himmel angehoben wurde

erzählt von den Snohomish-Indianern

Als der Große Geist diese Welt erschuf, begann er im Osten und wanderte langsam westwärts. Dabei gab er jedem Volk eine andere Sprache. Als er Puget Sound erreichte, blieb er dort, denn er mochte diese Gegend. Die Sprachen, die er noch nicht verteilt hatte, verstreute er über Puget Sound. Daher sprechen die Stämme heute viele verschiedene Sprachen.

Obwohl die Stämme nicht miteinander sprechen konnten, hatten sie ein gemeinsames Problem zu lösen. Denn in diesen Tagen war der Himmel so niedrig, dass sich große Menschen leicht den Kopf anstoßen konnten, wenn sie schnell aufstanden. Außerdem konnten Menschen aus dieser Welt in die Himmelswelt klettern, wann immer sie wollten. Manchmal konnten sie dann nicht zurückfinden. Die Menschen entschieden, dass etwas getan werden musste.

Eines Tages trafen sich weise Männer aus jedem Stamm, die die Sprache der anderen gelernt hatten, um das Problem zu besprechen. Sie entschieden, dass alle Menschen zusammenkommen und den Himmel anheben sollten.

„Der Himmel ist sehr schwer.“ wandte ein weiser Mann aus dem Osten ein.

„Wir können es schaffen,“ sagte ein weiser Mann aus dem Westen, „wenn alle Menschen, auch die Vögel und Tiere, zur gleichen Zeit heben.“

„Das ist eine gute Idee.“ sagte ein weiser Mann aus dem Süden.

„Aber wie werden wir wissen, wann wir den Himmel anheben sollen?“ fragte ein weiser Mann aus dem Norden. „Unsere Stämme sprechen alle verschiedene Sprachen und können einander nicht verstehen.“

„Lasst uns ein Signal ausmachen.“ sagte ein sehr weiser Mann aus dem Südwesten. „Wir wollen das Wort ‚Ya-hoh‘ nehmen. Es soll in allen Sprachen heißen: ‚Hebt den Himmel!‘ “

Die weisen Männer gingen zu ihren Stämmen zurück und erklärten ihren Plan. Alle bereiteten sich auf den großen Tag vor. Jeder Stamm machte lange Stangen aus hohen Tannen.

Als es an der Zeit war, gab der weise Mann aus dem Südwesten das Signal. „Ya-hoh!“ rief er. Alle weisen Männer riefen zusammen: „Ya-hoh!“

Als die Menschen das Signal hörten, stemmten alle ihre Stange gegen den Himmel. Und der Himmel bewegte sich ein wenig.

Wieder riefen die weisen Männer: „Ya-hoh!“

Die Menschen stemmten wieder, so stark sie nur konnten. Und der Himmel hob sich ein wenig mehr.

Als die weisen Männer wieder und wieder riefen, stemmten die Menschen und hoben den Himmel schließlich an den Platz, an dem er heute ist. Von diesem Tag an muss niemand mehr befürchten, sich den Kopf am Himmel zu stoßen, und es ist niemand mehr in die Himmelswelt geklettert.

Einige Menschen allerdings haben nicht von dem Vorhaben gehört. Als die weisen Männer planten, den Himmel anzuheben, waren drei Jäger in den Wäldern unterwegs und verfolgten vier Elche. Gerade als das Heben begann, erreichten die Elche eine Stelle, an der der Himmel die Erde berührte. Die Jäger folgten ihnen, als sie in die Himmelswelt sprangen, und wurden mit ihnen angehoben.

In der Himmelswelt wurden sie zu Sternen. Und wenn man in einer dunklen Nacht zum Großen Wagen sieht, kann man noch immer die drei Jäger sehen, wie sie den vier Elchen folgen.

nacherzählt nach “The Elk Hunters” aus “They Dance in the Sky - Native American Star Myths” von Jean Guard Monroe, Ray A. Williamson

in anderer Fassung enthalten in „Der Tanz der Büffel“ von Richard Erdoes, Alfonso Ortiz

letzte Änderung am
18.12.2007

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