ASTRONICS

Sternsagen

Kojote ist der Schelm in den Geschichten der Indianer, “always hanging around looking for trouble”. Ob Mensch oder Tier, ob weise oder dumm, ob hilfsbereit oder spitzbübisch, enden seine Geschichten doch meistens im Guten und erklären, warum die Dinge sind, wie sie sind.

Kojote streut die Sterne aus

erzählt von den Navaho-Indianern Nordamerikas

In den Tagen, als es noch keine Sterne gab, trafen sich die Schöpfergötter der Navaho in ihrem Hogan und hielten Rat, wie die Welt zu machen sei und was in sie hineinsollte. Schwarzgott trat etwas verspätet zu ihnen. An seinem Fußknöchel trug er eine kleine Gruppe Sterne, die ‚Dilyehe‘ genannt werden. Einige Götter bemerkten diese Sterne und fragten ihn danach. Schwarzgott aber sagte nichts und stampfte viermal kräftig mit dem Fuß auf. Mit dem ersten Tritt sprang Dilyehe an sein Knie, mit dem zweiten an seine Hüfte, mit dem dritten an seine Schulter. Der vierte Tritt brachte Dilyehe schließlich an seine linke Schläfe, wo es noch heute ist. Wenn Schwarzgott in den Zeremonien der Navaho tanzt, sind diese Sterne an der linken Schläfe auf seiner Maske gezeichnet.

Die anderen Götter baten Schwarzgott, den dunklen Nachthimmel mit solchen Sternen zu verzieren. Er holte einen Beutel heraus, gemacht aus der Haut eines Hirschkalbes. Aus dem Beutel nahm er einen einzelnen hellen Kristall. Er reichte weit in den Himmel hinauf und setzte den Kristall genau in den Norden. Es wurde ‚Nordfeuer‘, der Stern, der sich niemals bewegt und den Wanderer in der Nacht führt.

Dann suchte er sieben große Kristallsplitter aus seinem Beutel und setzte sie in die Nähe von Nordfeuer. Es sind ‚Die sich drehenden Männer‘, weil sie um Nordfeuer kreisen. Auch ‚Die sich drehenden Frauen‘ setzte Schwarzgott in die Nähe von Nordfeuer.

Nun setzte Schwarzgott fünf helle Kristalle in den östlichen Himmel zu einem Sternbild, das die Navaho ‚Mann mit weit ausschreitenden Füßen‘ nennen.

Dann reichte Schwarzgott in den Süden und schuf ‚Den ersten Großen‘. Darunter machte er drei Sterne, die er ‚Hasenfährte‘ nannte, weil sie aussehen wie die Spuren, die ein Hase im Schnee hinterläßt.

Schwarzgott ordnete noch weitere Sternbilder am Himmel. Dann machte er ein Abbild von Dilyehe, den Sternen an seiner linken Schläfe, am Himmel. Schließlich lange er in seinen Beutel, holte tausende von winzigen Kristallen hervor und streute sie als Band über den Himmel. Daraus wurde ‚Der auf die Morgendämmerung wartet‘.

Als Schwarzgott sein Werk beendet hatte, wollte er sich setzen und es bewundern. Da erschien Kojote, der immer herumschlich und nach einer Gelegenheit für Schabernack Ausschau hielt. „Schau an, was macht ihr hier?“ fragte er. „Ihr habt mich nicht um meine Hilfe gebeten!“

Kojote war ein Schelm und die anderen Götter mochten seine Streiche nicht, weil er oft ihre sorgfältig durchdachten Pläne zunichte machte. Schwarzgott antwortete ihm: „Du siehst selbst, was ich getan habe. Diese Sternbilder werden die Menschen mit den Regeln vertraut machen, nach denen sie auf der Erde leben sollen.“

Schon wollte Schwarzgott seinen Beutel verstecken, da griff Kojote danach und schnappte ihn weg. „Laß mich dir helfen.“ sagte er und blies die übriggebliebenen Kristalle quer über den ganzen Himmel. Er verstreute tausende von Lichtpünktchen wahllos durcheinander.

Dort blieben sie bis heute. Nur die Sternbilder, die Schwarzgott so sorgfälltig angeordnet hat, haben Namen. Die Sterne, die Kojote in den Himmel blies, sind namenlos, bis auf einen. Denn nachdem Kojote den Beutel geleert hat, schaute er hinein und sagte: „Da ist noch ein Kristall. Es soll mein Stern sein!“ Indem er Schwarzgott nachahmte, setze er den Kristall weit in den Süden, wo er als ‚Kojotes Stern‘ nur an ein paar Tagen im Jahr zu sehen ist.

Schwarzgott schimpfte mit Kojote, weil er seine sorgfältig angeordneten Sternbilder durcheinander gebracht hat und nun soviel Verwirrung und Unordnung am Himmel ist. Doch Kojote lachte nur. Er reichte Schwarzgott seinen Beutel zurück und meinte: „Nun ist der Himmel wirklich schön!“

nacherzählt nach “Black God and His Stars” aus “They Dance in the Sky - Native American Star Myths” von Jean Guard Monroe, Ray A. Williamson

Die Navaho nutzten die Sterne, um die Zeiten für Aussaat und Ernte zu bestimmen. Unschwer läßt sich erkennen, dass ‚Nordfeuer‘ der Polarstern ist, ‚Die sich drehenden Männer‘ sind die Sterne des Großen Wagens und ‚Die sich drehenden Frauen‘ die Sterne der Kassiopeia. ‚Dilyehe‘ sind natürlich die Plejaden. ‚Der erste Große‘ ist ein Teil des Skorpions, die ‚Hasenfährte‘ ist im Schwanz des Skorpions zu finden, ‚Kojotes Stern‘ ist wahrscheinlich Antares. In der Milchstraße findet sich ‚Der auf die Morgendämmerung wartet‘ wieder.

letzte Änderung am
18.12.2007

© 2004-2007 ASTRONICS | Kontakt | Home | Top